Ein Münchner Original stellt sich vor:
"Dult" – ein Begriff mit Erklärungsbedarf Ursprünglich bedeutete der Name "tult" oder "Dult" Kirchenfest. Während eines solchen Festes, in der Regel zu Ehren eines Heiligen, wurden um die Kirche meist Verkaufstände aufgebaut und Waren feilgeboten. Im Laufe der Zeit veränderte das Wort langsam seine Bedeutung und stand somit nicht mehr für "Kirchenfest", sondern für "Jahrmarkt". Ähnliche Bedeutungswechsel erfolgten bei "Messe", "Kirchweih" und "Kirmes" (Kirchmesse).
Diese Jahrmärkte dienten im Mittelalter vor allem dem Umsatz von Fernhandelsgütern. Die Städte öffneten sich für fremde Händler und Kaufleute. Tuche, Pelzwerk, Gewürze, Gold- und Silberwaren wurden hier verkauft; erst im 19. Jahrhundert wandelten sich die Jahrmärkte zu Verkaufsmessen der Klein- und Landkrämer. Auch die Gesundheitspflege und das Amüsement gehörten hierher: Quacksalber und Gaukler, Zahnbrecher und Taschenspieler, reisende Ärzte und Marionettenspieler brachten das Volk zum Lachen oder Weinen.
Die Auer Dult historisch
Die Auer Dult hat eine lange Geschichte. 1796 verlieh Kurfürst Karl Theodor der Vorstadt Au das Recht, zweimal im Jahr einen Jahrmarkt abzuhalten. Eine brillante Parade des Auer Bürgermilitärs anläßlich des hohen Besuchs war Grund dieser Ehre. So fanden ab 1799 jeweils im Mai und Oktober rund um die – damalige - Wallfahrtskirche Mariahilf die vielbesuchten Dulten statt. Zu dieser Zeit spielte sich das bunte Treiben noch vor den Toren der Stadt München ab. Erst mit der Eingemeindung der Au im Jahre 1854 wurden die Auer Dulten fester Bestandteil des Münchner Volksfestlebens. 1905 wurde die Jakobidult vom Haidhauser Johannisplatz in die Au verlegt und damit war das Dreigespann, wie wir es heute kennen, komplett.
Die Jakobidult
Die jüngste Auer Dult, die Jakobidult im Sommer, ist zugleich die älteste Münchner Dult. Um 1310 ist ein "Dultmarkt" zum St. Jakobs-Tag am An-ger belegt. Die Franziskaner im benachbarten Kloster förderten die Ver-ehrung des Heiligen Jakobus durch Pilger und gläubiges Volk. Da nach altem Stadtrecht vor Kirchen "chaempe, paternoster, lebzelten, slos, magram und wilde wurtz" (Kämme, Rosenkränze, Lebzelten, Konfekt, Granatäpfel und Gewürz) verkauft werden durften, erlaubten die Mönche auch fliegenden Händlern und Krämern ihre Stände aufzuschlagen. Es entstand die Jakobidult als "freie gefreite Jahrmesse" und erlangte als wirtschaftspolitisches und gesellschaftliches Ereignis große Bedeutung.
Eine Besonderheit der Jakobidult war das Scharlachrennen, das alljährlich von 1448 bis 1692 vor dem Karlstor abgehalten wurde. Das Pferderennen, vom bairischen Herzog Albrecht III. und der Stadt gemeinsam ausgeschrieben, hat seinen Namen von dem für den Sieger ausgesetzten ersten Preis – ein großes Stück scharlachroten, wertvollen, englischen Tuches. Weitere wertvolle Sachpreise ließen gerne am Wettkampf teilnehmen. Ein Kuriosum dieses Rennens: der letzte Reiter bekam als Trostpreis ein Schwein, das als die bekannte "Rennsau" in die Umgangssprache einging. Zum letzten Mal wurde das Scharlachrennen im Jahr 1786 veranstaltet, bis 1810 die Münchner Bürgerschaft dieses Rennen anläßlich der Vermählung des Kronprinzen Ludwig, des späteren König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen wieder aufleben ließen.
Lange Zeit blieb die Jakobidult die einzige Dult in München. Erst im 16. Jahrhundert kamen die Dreikönigsdult und Anfang des 18. Jahrhunderts die Magdalenendult in Nymphenburg dazu.
Die Jakobidult hatte im Laufe ihrer Geschichte viele Standplätze
Um 1310: Auf dem Anger bei St. Jakob, dem heutigen St.-Jakobs-Platz
2. Hälfte des 18.Jahrhunderts: Die Sendlinger Straße wurde teilweise miteinbezogen. Ab 1791: In der Kaufinger- und Neuhauser Straße und in der Weiten Gasse (heute Ettstraße) Ab 1801: Auf dem heutigen Promenadenplatz Um 1803: Auf dem Max-Joseph-Platz Ab 1819: Auf dem Promenadenplatz, in der Weiten Gasse und Neuhauser Straße 1822: Auf dem Maximiliansplatz 1823: Aus sanitären und ästhetischen Gründen beschloß der Magistrat, die Dulten auf dem Maximiliansplatz aufzuheben. Der zweite Bürgermeister Widenmayer plädierte sogar für die völlige Aufhebung der Stadtdulten. Nur dem Widerstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten war es zuzuschreiben, dass es nur zu einer Verlegung der Jakobidult kam. 1824: Auf dem Haidhauser Johannisplatz Ab 1905: Auf dem Auer Mariahilfplatz
Die Auer Dult heute
Das Besondere der Auer Dult ist auch heute noch ihre spezielle Mischung aus Volksfest und Markt. Auf knapp 22.000 Quadratmetern genutzter Dultfläche entsteht eine Insel inmitten der Großstadt, wo Vergnügen, Gemütlichkeit und zwischenmenschliche Ansprache zuhause sind.
Im Schaustellerbereich der Dult können Kinder und Junggebliebene ihren Spaß haben mit Fahrgeschäften wie Autoskooter, Kettenflieger, Schiffschaukel, Russenrad, Karussell oder Reitbahn für die Kleinen. Wurfbuden laden zum Geschicklichkeitstest ein. Der bekannte "Kasperl von der Au" unterhält jung und alt in seinem Theater.
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